Mein ,,kurzer“ Lebenslauf

Ich war 20 Jahre jung, als ich von der Slowakei in die Schweiz reiste.

Ich nahm mir vor, ein erfülltes Leben zu führen. Doch es kam alles etwas anders, als ich es mir vorgestellt hatte:

Mit 21 Jahren verliebte ich mich in einen Mann – wir heirateten kurz danach. Als unsere Tochter zur Welt kam, war ich 24 Jahre alt. Das Leben konnte nicht schöner sein – ich war glücklich.

Nachdem unsere Tochter etwa 2 Jahre alt war, begannen die Eheprobleme. Streitigkeiten nahmen zu, das Vertrauen wich und wir verloren uns immer mehr aus den Augen. Trotzdem verspürten wir einen grossen Wunsch nach einem zweiten Kind. Vielleicht war dies die verdeckte Hoffnung, uns wieder als ein Paar zu finden. Es dauerte nicht lange – und ich wurde schwanger. Der Zeitpunkt war für meinen Mann nicht gut, da er mit unterschiedlichen Gefühlen kämpfte und schliesslich dazu stand, dass er mich nicht mehr liebte. Eine andere Frau war ihm nahe.

Das war sehr schmerzhaft für mich. Hier, in einem fremden Land, alleine mit unserer kleinen Tochter und schwanger mit einem zweiten Kind. Ich fragte mich: Wie geht es weiter?

Es kam zur Trennung, denn ich wollte meinem Mann nicht im Weg stehen. Es war mir klar, wir können gemeinsam nicht mehr glücklich sein.

Nun folgte eine neue Etappe meines Lebens: Ich suchte mir eine kleine Wohnung, etwas kostengünstigeres, weil ich nicht wusste, was ich mir überhaupt leisten konnte. Bald darauf fand die erste Gerichtsverhandlung statt. Viele Emotionen waren im Spiel. Ich sass da mit meinem grossen Bauch und hörte den Worten des Richters zu.

Wie oft bei Scheidungen kam es zu Konflikten betreffend Geld, Alimente, Frauenalimente etc. Ich war damals unsicher, ob ich weiter meiner Tätigkeit ausser Haus nachgehen würde oder nicht.

Noch während der Schwangerschaft entschloss ich mich auswärts zu arbeiten, ich wollte ein neues Leben beginnen. Ich wollte meinen Ex-Mann auch nicht finanziell schlecht stellen. Ich hätte das Recht gehabt, als Frau mit zwei Kindern zu Hause zu sein und mich dem Haushalt und den Kindern zu widmen. Dies entsprach nicht meinen Bedürfnissen, denn ich hatte den Wunsch nach was Neuem, einen neuen Beruf zu erlernen. Ich wollte Menschen unterstützen, die in einer ähnlichen Situation waren wie ich. Ich wollte zeigen, dass wir Frauen auch ohne Ehemänner stark sein können und finanziell unabhängig leben können.

Als mein Sohn ein paar Monate alt war, suchte ich nach einer Ausbildung. In Frage kam nur eine berufsbegleitende Schulung. So konnte ich weiterhin meiner Tätigkeit nachgehen. Einmal monatlich besuchte ich am Wochenende die Schule. Meine Mutter reiste aus der Slowakei in die Schweiz und unterstützte mich bei der Kinderbetreuung.

Kurz nach Beginn der Ausbildung suchte ich ein Praktikum im psychosozialen Bereich, versandte Bewerbungen. Für meine
berufliche Weiterentwicklung absolvierte ich verschiedene Kurse wie «Basiswissen Trauma», «Starke Eltern, starke Kinder», «Umgang mit
Aggression und herausfordernden Verhalten», «NLP Partitionier».
Anstelle eines Praktikums fand ich eine Anstellung im Frauenhaus. Als Einstieg wurde ich für den Nachtdienst eingesetzt.

Noch heute erlebe ich diese Arbeit als sehr wertvoll und erfüllend. Mit Freude gehe ich arbeiten. Ich komme hier mit interessanten Frauen aus verschiedenen Kulturen in Kontakt, mit Frauen, die oft
nach jahrelangem Gewalterleben den Mut gefunden haben zu sich zu stehen, zu uns ins Frauenhaus zu kommen und nun einen Neubeginn anstreben.

Es ist nie zu spät für einen neuen Anfang. Ich habe dies selbst erlebt und spreche aus eigener Erfahrung.

Im März 2021 werde ich die Ausbildung zur «Psychosozialen
Beraterin» abschließen. Mein Ziel ist weiterhin das Frauenhaus, in dem ich heute arbeite, zu unterstützen und gleichzeitig mich beruflich weiterzuentwickeln. Der Bereich der Krisenintervention liegt mir sehr am Herzen. Ich möchte mich weiterbilden und Erfahrungen sammeln in der Arbeit mit Menschen in Not. Diese Menschen möchte ich begleiten auf ihrem neuen Weg, sie motivieren für ihre Ziele.

Privat möchte ich eine eigene Praxis führen.

Die Individualität der Menschen bereichert!

Welches ist deine Geschichte? Welches sind deine Ziele? Welches sind deine Herausforderungen, die du meistern möchtest?

Gerne begleite ich dich dabei.